DD#11 Tragische Zwerge

Für die vielen interessanten Rückmeldungen zu den Elfen bedanke ich mich herzlich und setze mein Design Diary gleich mal mit einem Zwischenstand zu den Zwergen fort. Auch hier gilt es das Klischee zu strapazieren, gleichzeitig aber den Archetypus zu wahren.

Äußeres. Die Zwerge von Istarea mögen lediglich die Größe eines Kindes erreichen, doch ihre Gesichter sind alt und ihre Körper robust wie das Erz, das sie zu Tage fördern. Typische Merkmale sind tiefliegende Augen, breiter Nacken und kurzfingrige, schaffenskräftige Hände. Ihre dichten Bärte schützen sie vor Kälte und vor Sonnenlicht, auf das ihre Haut mit starker Rötung reagiert.
Geschichte. Schon frühzeitig litt das Zwergenreich an einem Mangel an Frauen. Neid und Inzest waren die Folge. Die Elfen boten den Zwergen an, für sie Tränke zu brauen, die dafür sorgen sollten, dass mehr Zwerginnen geboren würden, im Austausch dafür, dass sie ihnen Limis zu Tage förderten. Die Zwerge willigten ein, doch sie behaupten bis heute, betrogen worden zu sein: Zwar entfalteten die Tränke ihre Wirkung, doch schwand auch mit jeder Generation von Zwergen ein Quäntchen ihrer Fähigkeit zur Dunkelsicht. Misstrauisch lehnten sie daher weitere Tränke ab und werkten eine Zeitlang für Gold und Edelsteine, ehe die Schätze der Elfen zur Neige gingen. Als die Zwerge die Arbeit niederlegten und das Limis knapp wurde, fielen die Elfen über die Zwerge her und versklavten sie kurzerhand. Gegenwehr gab es keine, denn die Zwerge waren stets friedliebende Handwerker gewesen und hatten noch nie einen Krieg gefochten, und schon gar nicht gegen einen Gegner, dessen Waffe Zauberei war. Zwergenfürst Targax haderte lange mit sich, doch schließlich konnte er die Unterjochung und die Demütigungen durch die Elfen nicht mehr ertragen und ließ Haguls Horn blasen. Seine Hoffnung, die Zwerge wären in ihren unterirdischen Anlagen sicher, erwies sich als Irrtum: Die Horden fanden Wege in jede zwergische Anlage und trieben die Zwerge an die Oberfläche, jagten sie durch das Tal, bis sie eines späten Tages in den Gebirgen zur Ruhe kamen.
Lebensweise. Der Großteil der Zwerge lebt in den zwei großen Bergstädten Hagulsheim und Grorulsklamm in Sippen, die durch ihre weiblichen Angehörigen alle irgendwie mit einander verwandt sind. Jede Familie besitzt Gold, und wer mehreren Familien angehört, besitzt mehr Gold. Wer am meisten Gold besitzt, genießt das größte Ansehen und wird als Vongram (“Fürst”) akzeptiert. Zwergenfrauen stehen außerhalb dieser Ordnung: So angesehen sie sind, Eigentum am Familiengold steht ihnen keines zu. Das Tagwerk der Zwerge besteht in der Erhaltung und Erweiterung ihrer unterirdischen Anlagen und dem Zutagefördern von Rohstoffen. Mittlerweile haben die Zwerge auch die Notwendigkeit des Kriegshandwerks erkannt. In Grorulsklamm werden Zwergenkrieger zwar immer noch als fremdartig angesehen, aber in Hagulsheim hat ihr Ruf schon längst jenen der Handwerker überflügelt.
Charakter. Zwerge sind körperlich ausdauernd, fleißig und arbeitsam. Handwerk ist bei ihnen kein Beruf, sondern eine Leidenschaft, verbunden mit einer Liebe zu schönen und seltenen Dingen, die zuweilen in Geiz und Gier ausartet und immer wieder Zwergenbanden im Königreich Ruinen plündern lässt. Von anderen Völkern werden Zwerge als stur und unnachgiebig empfunden, wiewohl sie ihre Vorliebe für Wein, Weib und Gesang mit den Menschen verbindet. Alte Traditionen und Gebräuche haben bei ihnen großen Stellenwert; Freigeister gibt es unter ihnen kaum.
Besonderheiten. Zwerge werden ungefähr zehnmal so alt wie Menschen, ihr Reifeprozess ist jedoch sprunghaft und unberechenbar. Manche alten Zwerge haben das Gemüt eines Kindes, andere wiederum sind schon in jungen Jahren sehr weise. Einschätzen kann man sie schwerlich, da ein Zwerg mit 50 Jahren bereits alt aussieht und sich danach nicht mehr stark verändert.

Die größte Besonderheit der Istarea-Zwerge ist, dass sie ein sehr friedliebendes Volk sind, das eine tiefe Abneigung gegen Krieg hat und sich trotz der Ereignisse nur schwer von dieser Überzeugung trennt. Ich hätte den Gedanken ja noch gerne weiter gesponnen, aber ich denke, dass Spieler, die einen Zwerg spielen, auch zuschlagen können wollen, daher darf der Zwergenkrieger kein Unikat seiner Rasse sein. Persönlich sehe ich bei den Zwergen noch etwas kreativen Bedarf, aber als Version 0.1 muss es mal reichen.

Flattr this!

5 Gedanken zu “DD#11 Tragische Zwerge

  1. Hm, friedliebende Zwerge finde ich schwierig und passt nicht zum Ruf der Krieger in Hagulsheim. Das könnte einen schritt zu weit weg sein. Außerdem sollten die Frauen irgendetwas besonderes für sich haben, dass ihr Seltenheit verdeutlicht. Was selten ist, ist viel Wert und ist entweder im (goldenen) Käfig, wird hoch gehandelt und/oder darf „alles“. Das sollte irgendwie noch mit rein. Ansonsten was Geschichte, Entwicklung und auch Namen angeht gefällt es mir gut.

  2. Das mit den friedliebenden Zwergen gefällt mir ziemlich. Man kann es mit den zwergischen Kriegern wie folgt machen:
    – es gibt sie
    Wie du selber bereits gesagt hast, sie haben die Notwendigkeit dafür erkannt. Es ist nur logisch, dass man die besten Handwerker für am liebsten wenig Geld engagiert – und wenn sie sich nicht vertedigen, dann zahlt man mal auch gerne nichts.

    – nur wenige wollen es werden, aber die wenigen Krieger suchen ihresgleichen
    Zwerge sind bekannt dafür, ihr Handwerk zu meistern, sogar zu perfektionieren. Und sie sehen das Kämpfen auch als KriegsHANDWERK. So ähnlich wie die Japaner mit ihren Kampfkünsten. Die meisten Kampfkünste enden mit „dou“, was Weg bedeutet, aber nicht nur als Pfad, Strecke, sondern vor allem auch aus philosophischer Sicht, es ist eine Kunst, ein Weg und eine Lebenseinstellung.

    Was die Frauen angeht, muss ich TheClone zustimmen: Sie müssen der Seltenheit wegen eine größere Rolle spielen als reine Geburtsmaschinen. Eine abgedrehte Idee z.B.: Weibliche Zwerge werden allesamt Priesterinnen der zwergischen Fruchtbarkeitsgöttin, haben dadurch einen sehr hohen geistlichen, evtl. sogar innerpolitischen Wert (Zwerginnen regieren, aber Zwerge repräsentieren und tragen die Entscheidungen nach Außen) und gehen keine festen Beziehungen ein, da es ansonsten den Regeln/der Philosophie der Göttin widersprechen würde.

    • Das mit dem „Kriegshandwerk“ war genau mein Gedanke, hast du richtig erkannt, Christoph. Was die Zwergenfrauen betrifft, habt ihr recht, die verdienen mehr Content. Was das zwergische Matriarchat betrifft, ich hab‘ beim ersten Entwurf auch daran gedacht, aber bin dann doch davor zurückgeschreckt… hm… das muss ich mir noch gut überlegen!

    • Die Ide mit den Frauen-Priesterinnen finde ich sehr gut. Auch die Idee, dass Zwergenfrauen keine festen Bindungen eingehen würde Sinn machen, wenn es so wenige gibt (Genpool und so). Die Auswirkungen auf eine Zwergengesellschaft wären natürlich ernorm – aber ich denke, der Gedanke lohnt sich.

Schreib einen Kommentar zu Christoph Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *