Der Unterschied zwischen Live und Larp

Schon die Ausgangslage des gestrigen Blind Dates war anders. Im Unterschied zu den Kontaktsuchenden, mit denen ich mich bisher traf, war Dennis kein Anfänger. Ich traf mich nicht mit ihm, um ihn für meine geplante Anfänger-Runde zu akquirieren, sondern weil er unheimlich freundlich geschrieben hatte, Kekse mitbringen wollte und hervorstrich, wie toll er es fand, mit Neulingen zu spielen.

Da saßen wir nun im Café (für die Abendsonne war es diesmal schon etwas zu spät) und plauderten über alles Mögliche, bemüht, das seltsame Gefühl, das mit solchen Blind Dates einhergeht, irgendwie zu übertünchen. Ich erzählte etwa von meinem Trauma mit einem gnadenlosen Spielleiter, der mir AD&D verleidet hatte, und Dennis‘ erklärte mir mit leuchtenden Augen den Unterschied zwischen „Live“ und „Larp“.

Also: Ein „Larp“ (= Live Action Role Playing) ist das, wo die Leute mit Latex-Schwertern bewaffnet durch den Wald laufen und wo weitgehend gilt: Was du als physische Person machen kannst, das kannst du auch als Character. So auf Bäume klettern und so. Ein „Live“ hingegen ist ein Event, bei dem die Leute sich aufwändig gewanden und dann in einer dekorierten Location Szenen spielen. Ich bin mir nachwievor nicht sicher, ob ich’s richtig verstanden habe, aber auf mich wirkte es wie ein klassisches Rollenspiel, nur mit mehr Körper- und Materialeinsatz.

Wie auch immer – der Punkt ist: Eine Stunde, ein Schnitzel und einen Backhendelsalat später hatte es Dennis geschafft, dass ich ihn unbedingt in meiner Anfänger-Runde haben wollte. Irgendwie schlug er mich mit seiner lebendigen und doch ruhigen und bescheidenen Art in den Bann. Und er hatte natürlich ein paar gute Argumente, warum ein weiterer erfahrener Spieler einer Anfänger-Runde ganz gut täte: Zum Beispiel könne er bei Regelfragen manuduzieren und den Spielern generell vorzeigen, wie man Charaktere im Rollenspiel verkörpern kann.

Man kann also sagen: Dennis‘ Charisma-Probe war höchstgradig gelungen. Und endlich den Unterschied zwischen „Live“ und „Larp“ zu kennen, war nur das Sahnehäubchen meines gestrigen Abends.

Flattr this!

5 Gedanken zu “Der Unterschied zwischen Live und Larp

  1. Ich kenn den Unterschied ja eher so:
    Live: Vampire Liverollenspiel
    Larp: Alles Andere, vornehmlich Fantasyliverollenspiel.

    Aber da hat der Dennis natürlich die Sache schön umschrieben. „In aufwändiger Gewandung an einer Location eine Szene spielen“ dürfte zu V:tM Live kompatibel sein 😉

  2. Mir wurde es mal so erklärt:

    Live: Rollenspiel in Gewandung und mit (weitgehendem) ausspielen der Handlungen, allerdings unter Betonung der Charakterfähigkeiten (>Spielerfähigkeiten). Im Live ist es durchaus üblich, dass erst ein Gespräch ausgespielt wird, dann aber (bei einem Kampf) die Würfel (oder anderer Mechanismus) gezückt wird. Live erfordert wesentlich mehr Vorstellungsvermögen von den Spielern, weil einfach mal Situationen „erzählt“ werden, ohne dass irgendeine Repräsentation im Spiel erfolgt (SL-Ansage: „Da kommt ein Riese aus dem Wald auf euch zu!“)

    LARP: Hier liegt die Betonung auf die „actions“, es muss also etwas gemacht werden, damit die Spieler daraf reagieren. Dies reicht von direkter Darstellung (DKWDDK), bis zu vereinbarten Gesten/Symbolen für nicht-Darstellbares (Finger an die Schläfe als Zeichen für Dominate beim Vampire-LARP).

  3. Ob man das ganze jetzt Live tituliert oder LARP ist vollkommen gleich. Das hat nix mit Vampire oder Fantasy zu tun. Und genauso wenig mit dem Aufwand der Darstellung oder des verwendeten Reglements. Der Begriffsunterschied ist reines Augenwischen.

    Auch im Fantasy Live-rollenspiel gibts genug Leute mit richtig heftig aufwändigem Kram, bei dem mein 1000 € Rüstzeug und fast nochmal soviel in Klamotten und anderer Ausrüstung fast bescheiden. Genauso wie es auch viele mit niedrigen Ansprüchen und Ausrüstungsstand gibt.

    Das mit dem „was du selber kannst, kann auch dein Charakter“ ist ne Sache der Spielregeln bzw der -philosophie. Such mal unter larpwiki.de nach DKWDDK.

    Richtig erkannt hast du, saß es nur eine andere Art Rollenspiel ist, nur mit mehr Körper- und Materialeinsatz.

Schreib einen Kommentar zu alexandro Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *