Goldfall – Kapitel 17: Reißer

Speichel troff dem Hund von den Lefzen, als er für einen kurzen Augenblick innehielt. Er schien es zu genießen, die beiden Eindringlinge durch seine bloße Erscheinung in Schrecken zu setzen. Reißer war ein catorischer Kampfhund von fast einem Schritt Schultermaß. Sein Fell war kurz und dunkel. Darunter wölbten sich Muskeln und Sehnen, und seine Läufe endeten an den Pfoten mit scharfen, gelben Krallen.

Learto kam gerade noch dazu, den paralysierten Trosh nach hinten zu stoßen und den rechten Arm hochzureißen, ehe das Monster wie ein Raubtier auf ihn zu sprang und sich in seinem Arm verbiss. Dicke Fänge bohrten sich in seine Elle, und Blut troff zu Boden. Learto brüllte und ließ den Hammer fallen.

Struggel rappelte sich auf und musste mitansehen, wie Reißer Learto zu Boden zog, auf ihn eindrang, immer wieder zuschnappte, die Fänge löste, umherwirbelte und sich erneut in ihn verbiss. Leartos rechter Arm war blutüberströmt und hing schlaff herunter, doch seine Beine hatte der Schmied noch, und es gelang ihm, Reißer mit einem gezielten Tritt zwischen die Rippen nach hinten zu befördern. Das Monster jaulte kurz auf, war aber gleich wieder auf den Füßen und sprang erneut auf ihn zu. Learto nutzte den kurzen Augenblick, um mit der linken Hand seinen Hammer aufzunehmen, doch zum Zuschlagen kam er nicht mehr…

Während Struggel angestrengt nachdachte, was er tun konnte, stellte sich Reißer auf die Hinterläufe, und sein Raubtiergebiss schoss auf Leartos Gesicht zu. Dieser krümmte sich zum Schutz zusammen, doch da verbiss sich der Hund in seinen Nacken. Wieder brüllte Learto auf und warf sich nach hinten, in der Hoffnung, Reißer gegen die Wand drücken zu können. Doch das Vieh war gewieft, es ließ ab und lief um Learto herum, um ihn von vorne tot zu beißen.

Struggel konnte die Elemente manipulieren, doch wem sollte das hier und jetzt nutzen? Gedankenlos lief er nach vorne und wandte seine gesamte Kraft auf, um Reißer am Schwanz zu ziehen. Das Knurren des Hundes setzte für einen Augenblick aus, dann drehte er sich flink um und schnappte nach Struggels Hand. Seine Augen blitzten böse auf, so als wollten sie dem Trosh Gelegenheit geben, sich auf den Zeitpunkt seines Todes vorzubereiten.

Da traf Leartos Hammer mit voller Wucht die linke Flanke, und Reißer zuckte jaulend zur Seite. Der Schmied hob den Hammer erneut, doch auch wenn er mit der linken Hand stark war, geschickt war er damit nicht, und so hatte Reißer mehr als genug Zeit, ihm in den Arm zu fallen und ihn gegen die Wand zu drücken. Mit letzter Kraft hielt Leartos zerfleischte Rechte das Monster auf Abstand, doch Reißer schnappte immer wieder nach seiner Kehle, und es war nur eine Frage von Herzschlägen, bis der Kampfhund sein Ziel erreichen würde.

Da sah Struggel die Öllampe hinter Reißer. Learto hatte sie fallen lassen, als das Monster auf sie zugelaufen war. Struggel drehte sich zur Wand, kniff die Augen zusammen, sein Gesicht lief rot an, seine Schläfen pochten, im Hintergrund vermischte sich das Geräusch von Leartos Todeskampf mit blutrünstigem Knurren, und dann zerbarst die Öllampe. Tausend Scherben zischten durch den Korridor und bohrten sich in Reißers Fleisch. Gleichzeitig loderte das Feuer in einer gewaltigen Stichflamme auf, die den Hund arg versengte.

Dann war es dunkel.

Struggel öffnete die Augen wieder und sah, wie sich die üblichen Grauschattierungen seiner Dunkelsicht herausbildeten. Learto sank an der Felswand zusammen. Die Kreatur jaulte vor Schmerz und wand sich im Kreis, im verzweifelten Versuch, die Glassplitter in seinem Rücken loszuwerden. Struggel erspähte Leartos Hammer am Boden und ergriff ihn mit beiden Händen. Er rannte auf Reißer zu und schmetterte ihm den Hammer so fest er konnte auf den Schädel. Der Hund gab einen letzten, leidvollen Laut von sich und sank reglos zusammen.

Der Trosh schlug noch einmal zu, um ganz sicher zu gehen, dann wandte er sich zu Learto: „Meister Schmied, geht es Euch gut?“

Learto ächzte kraftlos. „Nein. Ich glaube, mein Arm ist kaputt, und sehen kann ich auch nichts…“

„Die Lampe ging zu Bruch, aber Ihr könnt unbesorgt sein; der schwarze Hund ist tot. Hier ist Euer Hammer. Seid Ihr in der Lage, weiterzugehen?“

Learto kämpfte sich in den Stand. Schwerfällig schleppten sie sich über Reißers Kadaver hinweg, bis sie am Ende des Tunnels Licht ausnahmen.

„Was auch immer uns dort erwartet,“ sagte Learto leise und bemühte sich um sein Gleichgewicht, „ich werde Euch keine Hilfe sein können.“

„Ohne den Hund wird uns die Harfenspielerin wohl kaum gefährlich werden“, zeigte sich Struggel zuversichtlich.

Dann erinnerte er sich, wie es zu seinem Unfall an der Felswand gekommen war.

Dies war eines der 20 Kapitel der Fantasy-Geschichte Goldfall, die im Rahmen dieses Blogs veröffentlicht wird. Lies morgen im nächsten Blogpost, wie die Geschichte weitergeht!

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2 Gedanken zu “Goldfall – Kapitel 17: Reißer

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