DD#02 Kleine Kostenrechnung

Über Geld spricht man nicht, ich tu’s aber trotzdem, weil ich wissen will, wieviel mich Destiny Dungeon voraussichtlich kosten wird. Also gehe ich als erstes zur Website meines Verlags, Books on Demand, und füttere dort den Online-Kalkulator mit den Eckdaten: Format 17×22, 90g Papier, Umschlag Paperback = Softcover, gefühlte 80 Seiten. Alle 10 Seiten eine hübsche Farbillustration sollte reichen, dazu kommen noch mindestens eine Landkarte in Farbe und eine weitere Farbseite halte ich mir noch in petto, sind also 10 Seiten in Farbe.

Kosten Autorenexemplare. In Kleinauflage kostet mich das Autorenexemplar nach o.a. Spezifikation EUR 7,-. Wenn ich mehr Stück produzieren lasse, wird’s billiger, aber damit rechne ich nicht, weil ich 1. nicht das Risiko tragen will (sonst könnte ich gleich selbst drucken lassen) und 2. nicht hunderte Exemplare bei mir im Schlafzimmer herumliegen haben will.

Marge. Wenn ich Händlern Exemplare direkt verkaufe, dann weiß ich schon mal (dank meiner Erfahrungen mit Valmorca), dass die vom Netto-Verkaufspreis ein Drittel für sich haben wollen. Mal laut gedacht: Wenn ich zumindest halb so viel vom Verkauf haben möchte wie der Händler, dann muss ich diese EUR 7,- verdoppeln (= EUR 14,-) und die 10% Mehrwertsteuer draufschlagen. Damit sind wir bei EUR 15,40. In Deutschland ist die MwSt geringer, aber für meine Kalkulation ist das vernachlässigbar. Der Händler bekäme also ca. EUR 4,60 und mir blieben EUR 2,40 pro verkauftem Exemplar.

Mit einem Verkaufspreis von EUR 15,40 ist Destiny Dungeon sicherlich kein teures Produkt, es wären, denke ich, durchaus noch 1-2 EUR nach oben drinnen. Das behalte ich mal im Hinterkopf und widme mich dem unerfreulichen Teil der Kalkulation, den Illustrationen:

  • Für eine Vollfarbillustration im Format A5 bzw. 17×22 muss ich bei meinem angestammten Illustrator John Moriarty wohl mit mindestens $ 150,- rechnen. Sind bei gutem Wind € 105,-. Das mal 8, sind € 840,-
  • Das Cover (vorne und hinten) wird teurer. Sagen wir $ 220,- = € 160,-.
  • Dazwischen wollen wir ca. 10 Schwarz/Weiß-Illustrationen als Stimmungsmacher einstreuen. Die sind etwas günstiger. Wenn ich gut verhandle, krieg‘ ich sie vielleicht um $ 50,- das Stück. Rechnen wir also mit $ 500,- (€ 360,-).
  • Da ich selbst ein schlechter Kartenzeichner bin, wird John meine Handskizzen verschönern müssen. Auch das ist kein Liebesdienst, sondern schlägt mit mindestens $ 20,- pro (kleiner) Dungeonkarte zu Buche. Ich rechne, dass ich für zwei Drittel aller Szenarien so etwas brauche, geplant sind ca. 30 Szenarien, sind also weitere $ 400,- (€ 290,-).
  • Kosten des Geldtransfers liegen üblicherweise im Bereich von ca. 4%. Ich vernachlässige sie, weil ich bei der Währungsumrechnung ohnehin aufgerundet habe. (Und weil ich hoffe, Rabatt herauszuschlagen).
  • Würde ich auch noch ein schönes Logo brauchen, käme das auf weitere $ 300,-. Ich habe aber bis auf weiteres vor, das Destiny-Emblem zu verwenden, daher erspare ich mir diese Aufwendung.

Das sind € 1.450,-. Dazu kommen die Fixkosten für den On-Demand-Druck: Books on Demand verlangt € 40,- für das Mastering und 5 Jahre lang € 2,- pro Monat, sind also nochmal € 160,- in Summe zu veranschlagen.

Man sieht also: Hauptsächlich aufgrund der Illustrationen kann ich für Destiny Dungeon schon mal ein Monatsgehalt zur Seite legen. Aber was tut man nicht alles aus Liebe!

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7 Gedanken zu “DD#02 Kleine Kostenrechnung

  1. Eigentlich liegt das noch bei weitem höher .. du hast ja deine eigene Arbeitszeit noch gar nicht mitgerechnet! 😛

    Das mit den Illustrationen ist wirklich ein jammer, ohne geht es nicht (bestimmt viel vom Flair und Professionalität) aber die Kosten sind für so eine kleine Publikationen viel zu hoch. Kein Wundern das OD&D so schlechte (und vor allem billige) Zeichnungen hatte und Hut ab vor allen die in dieser Sparte es tatsächlich schaffen Geld zu machen, geschweige den davon zu Leben.

  2. Lieber aceofdice,

    Danke für die Offenlegung der Zahlen. Ich hoffe das sorgt für mehr Respekt und Verständnis all den Leuten gegenüber, die Material in ihrer Freizeit zusammenstellen und kostenlos oder für wenig Geld zur Verfügung stellen; und keine professionellen Illustrationen verwenden (können).

    Bist Du eigentlich davon überzeugt die 671 Exemplare auch zu verkaufen, um wenigstens die Kosten aus Deiner Kalkulation herauszuholen? Wie viele Arbeitsstunden rechnest Du eigentlich für das Projekt ein? Und was wird später die Werbung kosten? Immerhin dürfte die tatsächliche Hausnummer ja viel höher liegen.

    Herzliche Grüße,
    Taysal

    • Meine Marge bei einem Verkauf über rpgnow.com ist höher, aber es ändert nichts dran, dass ich so an die 500 Exemplare verkaufen muss, um kostendeckend zu sein. Arbeitszeit ist da tatsächlich noch nicht drinnen, wäre aber auch schwer zu messen, denn es ist hauptsächlich gedankliche Arbeit. Das Schreiben und Layouten ist das Wenigste. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Ja, ich bin durchaus zuversichtlich.

  3. Respekt – so eine detaillierte Rechnung findet man selten!
    Und sie zeigt mal unverblümt, was (außer endlosen Stunden Denk- und Schreibarbeit und viel Herzblut) alles investiert werden muss, bevor überhaupt ein veröffentlichtes Werk vorliegt!
    Wer also bisher ohne viel nachzudenken zu allem „phöh, könnte ich selber besser!“ meint, kann ja jetzt alleine aufgrund der Kosten-Kalkulation sehen, das Besserwisserei alleine noch gar nix bringt ;o) Und sich mal fragen, ob er selbst auf sein Können auch mal eben ein Monatsgehalt „verwetten“ würde.

  4. Es lebe das Web 2.0, dass es einem ermöglicht, direkt an einer solchen Entwicklung teil zu haben und hinter die Kulissen zu schauen. Und es lebe AceOfDice, der uns diesen Blick so unverblühmt gestattet. Super!

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