Wie sag‘ ich’s meinem Spielleiter?

Spielleiter-Sein ist ein oft ungedankter Job. Man bereitet Campaigns vor, bekommt weniger Chips und moderiert stundenlang hochkonzentriert, um es allen Recht zu machen. „Na, wie hat’s euch gefallen?“, fragt man dann am Ende und erntet vielleicht ein „Eh gut!“, wenn’s blöd hergeht aber „Sorry, aber mich hat’s nicht umgehauen.“ Das muss in der Form nicht sein. Weil man damit motivieren, aber auch demotivieren kann, widme ich meinen heutigen Artikel dem Feedback.

1. Empfangsbereitschaft. Sinn eines Feedbacks ist nicht, sich Frust von der Seele zu reden oder zu speichellecken, sondern dem anderen zu einer neuen Sichtweise zu verhelfen. Dazu muss aber dieser zuerst Empfangsbereitschaft signalisieren. Ist das nicht der Fall, aber der Leidensdruck beim Spieler zu groß (ein tyrannischer Spielleiter oder eine nicht abreißende Serie von todlangweiligen Abenteuern), dann sollte man das unter vier Augen besprechen, aber nicht als Feedback coram publico erörtern.

2. Feedback geben. Damit der kritische Punkt leichter angenommen werden kann und nicht reflexartig abgelehnt wird, kann man ihn einbetten, z.B. zuerst einen Punkt ansprechen, der einem sehr gut gefallen hat, danach den kritischen Punkt und als drittes einen Verbesserungsvorschlag. Man sollte dabei Ich-Aussagen tätigen und Wertungen vermeiden. „Ich habe das Abenteuer stellenweise langatmig empfunden“ ist besser als „Das war dein bislang ödestes Abenteuer“. Damit der SL etwas mit dem Feedback anfangen kann, muss es jedenfalls konkreter als das sein. Beispiele helfen: „Zum Beispiel die Szene in der Schlucht, als sich jeder erwartet hat, dass etwas passiert…“

3. Feedback annehmen heißt Geduld haben, den anderen ausreden lassen, eventuell nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Rechtfertigen sollte man sich nicht. Ja ja, der Spielleiter kennt sein Abenteuer besser und hat 100 gute Gründe gehabt, aber Sinn der Feedbackrunde ist nicht, in einen Diskurs zu gehen. Letzter Punkt: Dankbarkeit. Für Feedback sollte man dankbar sein oder sich zumindest dankbar zeigen.

Feedback ist wie Medizin. Es schmeckt manchmal gar nicht gut, aber es hilft einem weiter. Mir zumindest hat es in der Vergangenheit sehr geholfen, und auch das Feedback hier im Blog und in den Foren ist von unschätzbarem Wert. Also sage auch ich an dieser Stelle an alle Kommentatoren: Danke!

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6 Gedanken zu “Wie sag‘ ich’s meinem Spielleiter?

  1. Ich denke, du greifst zu weit vor in deinem Artikel.

    Man muss nämlich bereits im Vorfeld unterscheiden aus welchem Grund der SL fragt „Wie hat es euch gefallen?“.

    Aus meiner eigener Erfahrung heraus fragt der SL in den meisten Fällen nicht nach Feedback sondern bringt seinen Wunsch nach Lob („Das hast du gut gemacht“, „Toller Typ“, etc…) damit zum Ausdruck. Er möchte einfach nur seinen „Lohn“ für die geleistete Arbeit in Form von Lob erhalten.
    Gerade auch im Zusammenhang mit (durchaus notwendigem) Feedback ist das sehr wichtig, das zu beachten. Sonst kommt es nämlich sehr schnell zu Unmuß in der Gruppe, weil man zwar mit Worten auf einer Ebene kommuniziert (nämlich darüber wie die Runde war), aber psychologisch (Gefühle und Wünsche) völlig aneinander vorbeiredet (meistens ohne es überhaupt zu merken).

    Deswegen halte ich es für falsch, direkt im Anschluss Feedback zu geben und somit die Gefühle des SL abzubügeln. Sondern zumindestens erstmal den (verständlichen) Wunsch nach Lob des SL zu erfüllen, bevor man (positive oder negative) Kritik übt.

    Davon abgesehen finde ich den Beitrag gut. :-)

    • Guter Punkt, serafin! Du hast natürlich recht, in 80% aller Fälle will man als SL einfach ein Dankeschön! oder Gut gemacht! hören. Insofern ist das Thema Feedback fast schon so was wie ein Spezialfall. Persönlich bin ich der Meinung, entweder mache ich die Tür für Feedback auf oder ich lasse sie zu. Sie ein bisschen aufzumachen und nur Lob durchzulassen, käme mir nicht in den Sinn.

  2. Ich finde sofortiges Feedback richtig und wichtig, wenn es wertschätzend gegeben wird. Am besten, wie du es beschreibst, mit Beispielen und idealerweise mit Verbesserungsvorschlägen. Also: „In dieser Szene habe ich mich etwas gegängelt gefühlt, da hätte ich gerne noch die Option gehabt, xy zu versuchen, statt … “ oder „Ich habe nicht so ins Abenteuer reingefunden, vielleicht lag das an den NSCs, die etwas zu sehr dem Klischee entsprachen“.

  3. Ich frage auch lieber direkt nach der Runde nach Feedback. Zum einen ist da die Erinnerung noch frisch, zum anderen bekommt man die Mehrheit der Spieler später nur noch sehr schwer dazu ihre Meinung auch kund zu tun.

    Wenn man wirklich an Meinung interessiert ist, lohnt es sich allerdings auch, die Frage offen zu formulieren. „Wie hat’s denn gefallen?“ treibt geradezu dazu, mit einem beiläufigen „Jo, war gut.“ die Sache vom Tisch zu wischen. Ich frage daher meist „Was hat euch am besten gefallen? Was fandet ihr nicht gut?“ und streue dann im Einzelfall mal noch „Warum?“ hinterher. Auf diese Weise bringe ich die Spieler konkret zum rekapitulieren.

  4. Feedbackrunden bergen die Gefahr, dass die Leute anfangen, Haare in der Suppe zu suchen, und es soll ja auch nicht so sein, dass man sich die Erinnerung an das Abenteuer durch eine über-analytische Feedbackrunde zusammenhaut. Bei uns hatte sich bewährt, alle paar Wochen gemeinsam essen zu gehen und dann über die Dinge zu reden, die im Gedächtnis geblieben sind. Das ist auch ein ganz guter Filter: Woran man sich dann nicht mehr erinnert, kann nicht so störend oder herausragend gewesen sein.

  5. Guter Punkt, den Du da ansprichst. Eine Sache fehlt mir allerdings: Feedback sollte als solches erkennbar und/oder angekündigt sein. Also wenn der SL nicht welches fordert, sollte man sein Feedback auch entsprechend einleiten, z.B. mit „Hey, ich habe über dne letzten Spielabend nachgedacht und sind da ein paar Punkte eingefallen“. Ein „Ich habe da Feedback für Dich“ kommt wegen der Erwähnung des Wortes „Feedback“ nicht immer gut an. Da gehen manchmal schon die Schotten runter, weil das Wort überstrapaziert oder missbraucht ist. Auch direkt an den Spielabend anschlißenden Feedback finde ich nur manchmal geeignet. Ja, wenn man noch in Ruhe etwas Zeit hat und erstmal „runter kommen“ konnte. Sonst nein. dann ist man viel zu sehr in Hektik oder in einer angeregten Diskussion. Dann lieber am nächsten Tag, wenn man sich sieht, im Forum oder ICQ.

    Dass SL manchmal einfach nur Lob wollen ist sicher richtig. Schade, dass die Spieler das dann nicht öfter machen 😛 Ich persönlich will eigentlich nicht unbedingt Lob, auch wenn ich mich darüber freue. Überhaupt irgendeine Rückmeldung was gut oder schlecht war ist ja schonmal was. Denn vom „hohen Rosse des SL“ sieht vieles anders aus, als in den „Niederungen“ des Spiels. Selbst wenn einem nix einfällt außer dem üblichen „Joa, war gut“ wäre es schön das als Anstoß zu nehmen mal in Ruhe nachzudenken ob einem bis zum nächsten Tag nicht doch was Konstruktives (positiv wie negativ) einfällt. Und bitte nicht durch die Blume versuchen, außer Euer SL verträgt es sonst nicht (oder ist eine Frau, die mögen das ja – sagt das Klischee 😉 ). Lieber direkt sein.

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