DD#22 NSCs in Istarea

Pfingsten hat sich ohne Frage positiv auf meine Schaffenskraft ausgewirkt. Ich habe einige Anregungen aus den Kommentaren in meine Materialien eingearbeitet, vor allem aber  habe ich Istarea um einige NSCs erweitert, die bisher nur Namen waren:

König Maras ist nun im hohen Alter zu einem philosophischen, introspektiven Regenten geworden, der sein Lebenswerk kritisch hinterfragt und von vielen als zu nachgiebig gesehen wird. Seine Frau, Königin Averna, hat da schon mehr Power und engagiert sich intensiv in der Weißen Kirche, um das Königreich mit den Mitteln einer Frau zu gestalten. Der gemeinsame Sohn Mylius ist ein Träumer, ein Ritter Romantique, den es in die Ferne zieht, der aber von seiner Mutter nicht losgelassen wird und immer wieder von ihr gegen seinen Bruder Marcor aufgehetzt wird. Marcor, der dunkel-charismatische Thronfolger, dessen biologische Vaterschaft nie geklärt wurde, ist hingegen ein harter Taktiker und ein furchterregender Bogenschütze, dessen schwarze Pfeile im ganzen Land legendär sind. Er trägt das Mal des Hôr und opfert vor jeder Schlacht Blut, um siegreich zu bleiben – was aber niemand weiß, denn sonst wäre es wohl aus mit der Thronfolge. Und dann ist da natürlich Mavith, König Maras‘ stolzer, hochmütiger Bruder und Todfeind, der dank elfischer Magie schon seit Jahren nicht mehr altert und eifrig konspiriert. Mavith war der Schlaue von den beiden Brüdern. Das Königreich Istarea, wie es jetzt existiert, war eigentlich sein Traum. Er wird alles tun, um ihn sich zurückzuholen oder notfalls zu zerstören.

Soweit die erste Riege der NSCs. Die zweite bilden die Grafen und Stellvertreter der Völker/Rassen. Da gibt es bereits einige, z.B. die korrupte, fette Gräfin von Usthir, die in ihre eigene Tasche wirtschaftet, oder den schwachen Grafen von Equiun, der aus Angst vor einem Konflikt mit den Vampiren koaliert. Mein Liebling: Graf Terus Schlangenblender, der die Riesenschlange unter Lovorn mit dem Schwert in der Hand konfrontierte und dabei sein Bein verlor, allerdings nicht, ohne der Schlange sein Schwert ins Auge zu rammen, wo es heute noch steckt. Dann wird es noch die Gräfin von Iphanir geben, die an ihres Mannes Statt über die Kornkammer regiert, seit dieser bei einer Expedition ins Elfenmoor verschwand. Die Ärmste erhält allerdings vom König den Titel nicht, da sich die Grafenwürde nicht/nicht auf Ehegatten vererbt.

Zumindest in meiner Vorstellung ist Istarea bereits ein sehr lebendiges Setting geworden. Jetzt sind raffiniert ausgearbeitete NSCs zwar nicht unbedingt die conditio sine qua non für ein gutes Sandbox-Setting, aber ich denke, es hilft, wenn man als SL eine Anzahl an Personen zur Verfügung hat, die das Geschehen vorantreiben, wenn die SCs das gerade nicht tun, oder ihnen in die Hände spielen oder aber gegen sie agieren.

Worauf man, glaube ich, aufpassen muss, ist, dass die NSCs nicht interessanter werden als die SCs und sich zwischen ihnen ein „inzestuöses Drama“ bildet. Wenn sich plötzlich alles seifenopern-artig um die Königsfamilie dreht, kann es leicht geschehen, dass man als Spieler zum Statisten wird, und das wäre natürlich nicht im Sinne des old-school/Sandbox/World-in-Motion-Gedankens. So gesehen möchte ich zum Thema NSCs in Istarea gar nicht viel mehr als das eben Skizzierte einbringen, um den SL nicht in Versuchung zu führen, sein eigenes Drama zu spinnen. Das sollte nachwievor von den SCs ausgehen.

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8 Gedanken zu “DD#22 NSCs in Istarea

  1. In diesem Zusammenhang liebe ich die Sachen, die einst die Judges Guild herausgebracht hat. Da gab es etwa in „City-State of the Invincible Overlord“ NSCs, die einfach nur eine Beschreibung in einem Satz gekriegt haben, der hatte es dann dafür aber in sich und regte die Fantasie ungemein an.

    • Inhaltlich sicher nicht, aber in puncto Authentizität sind Martin’s Handlungsträger bestimmt ein Maßstab, an dem man sich beim Ausdenken von Charakteren messen darf.

  2. Werden die NSCs auch spielmechanische Werte bekommen? Es ist etwas, das ich am Vergessene Reiche Setting mag; man weiß nie, wann die SCs auf die Idee kommen, einen Regenten zu entthronen und man spart dann als SL Zeit, da man einige NSCs bereits vorgefertigt bekommt (bei Pathfinder gibt es inzwischen sogar eine große Liste mit Beispielcharakteren – vom Bauern über den Schmied bis hin zu unterschiedlich starken Soldaten).
    Andererseits weiß ich nicht, wie komplex die Charaktererschaffung ist/sein wird, weshalb ich nicht weiß, wie sinnvoll diese Idee in deinem System wäre.

    • also ich votiere an dieser stelle entschieden GEGEN werte für NSCs auf politischem Level. Meine Erfahrung als Spieler und SL hat ergeben, dass bei angegebenen Werten entweder alle enttäuscht sind (weil „realistische Werte“ ja nicht unbedingt so toll sein müssen) oder belustigt/entnervt (wenn die NSC superhero-werte haben). Außerdem führt es dazu, den Grafen nicht als Grafen zu sehen als „den mann mit kampfwert 32 – der soll mir mal blöd kommen“

      • Die Werte gehören ja auch nicht in Spielerhände. Okay, lässt sich nicht immer vermeiden, aber sollte so sein. Spielgefühl hin oder her, hilfreich wäre es allemal. Das Problem ist mit wichtigen NSC sicher größer, aber eigentlich auch kein anderes als mit Monstern.

        • Ich sehe es wie TheOneKane. Werte verzerren einfach das Bild, weil sie die Vieldimensionalität der NSCs nicht widerspiegeln. Viele Spieler wissen das, aber ebenso viele schauen auf die Werte und sagen sich: „Was für ne Lusche, den hab‘ ich mir aber mächtiger vorgestellt.“ Die Prämisse, dass sich Spieler die Werte nicht anschauen, ist unrealistisch. Jeder Spieler, der sich mit dem Setting identifiziert, liest sich das durch.
          Außerdem möchte ich dem SL offen lassen, wie er die NSCs einbringt. Wenn er König Maras noch einmal den Zweihänder herausholen lässt, soll’s mir ebenso recht sein, wie wenn er ihn alt und schwach zu Bette liegen lässt.
          Das Schöne in Destiny ist, dass man als SL, wenn es zum Kampf kommt, nur 3 Werte braucht, und davon bestimmt sich einer nach der Waffe. Ich denke daher, man kann es dem SL durchaus zumuten, die anderen beiden (Kampfwert und Konstitution) selbst abzuschätzen. Vergleichsangaben wird es zur Genüge geben.

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