Die Unbegreiflichkeit des Humors im Rollenspiel

Dass sich am Humor die Geister scheiden, ist ja nichts Neues. Ich selbst hatte aber vor kurzem noch die wagemutige Idee, die Nibelungen-Sage als Grundlage für ein neues AceOfDice-Rollenspiel heran zu ziehen. Und zwar in einer Fassung, die es noch nie gegeben haben würde:

Da wäre zum Beispiel enthüllen zu gewesen, dass Siegfried in Wahrheit ein stümperhafter Tölpel war, der einfach das Glück hatte, einem ohnehin schon kranken Drachen den coup-de-grâce zu versetzen. Knapp gefolgt von Brunhild, die als Sadomaso-Queen die intimsten Geheimnisse aller möglichen Könige rund um Island kannte und damit den Mythos ihrer Unantastbarkeit nährte. Reden wir lieber nicht von Hagen, der sich nie an den Verlust seines einen Auges gewöhnte und regelmäßig beim Durchschreiten von Pforten gegen den Türstock knallte.

Wenn dir beim Lesen des letzten Abschnitts bestenfalls ein mildes Schmunzeln entfleucht ist, hast du unwillkürlich meine These bestätigt, dass ein humoreskes Rollenspiel nur schwerlich funktionieren kann. Humor lässt sich nicht vorprogrammieren, sei er subtiler Art oder Marke Holzhammer.

Humor im Rollenspiel ist ein Produkt der Situation. In unserer Runde etwa wurden Gegner in die Frucht geschlagen, man hörte hinter einer Tür Gerümpel, ein Meuchelmörder hielt einem SC die Kehle an den Hals, und Handelswaren wurden irgendwo stromabwärts transpiriert. Es gab einen 3 Meter großen Gamantulen, der sich einen Busch auf den Kopf setzte, um einen Haufen Raben zu täuschen. Es gab eine Verfolgungsjagd, in der ausgewachsene Helden vor einem beinlosen Bettler davonliefen. Es gab einen 12.-stufigen Magier, der vor 2 Goblins auf einen Baum flüchten musste. Das sind die Dinge, bei deren Erinnerung wir heute noch lachen.

Aber nichts davon war geplant. Zum Glück!

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