Zwei Herzen…

Nein, heute geht es nicht um den tentakelbewehrten, dreiarmigen Riesen mit den zwei Herzen und den vier Augen, von denen zwei vorne und zwei hinten angebracht sind. Es geht um meine zwei Rollenspielherzen, die in meiner Brust schlagen, wenn es um die Frage geht, mit welcher Art von Campaign ich mich wohl fühle. Ausgelöst durch eine Diskussion in meiner Stammrunde, die – nach 10 Jahren Araclia und Destiny – nun zu neuen Ufern aufbrechen soll, um neue rollenspielerische Weiten zu erkunden.

Mein Herz #1 schlägt dafür, neue Spiele auszuprobieren, mal was gänzlich anderes als das Bisherige zu spielen, den Horizont zu erweitern, ein neues Spielgefühl zu entwickeln. Campaigns wie Hollow Earth Expedition, die uns gerade beschäftigt, aber auch so etwas wie 50 Fathoms, vielleicht ein paar Wochen lang Fiasco, danach eventuell mal was Science-Fiction-Mäßiges (obwohl ich da noch kein System gefunden habe, das mich wirklich ansprechen würde). Das ist schon aus Spieldesigner-Sicht total wichtig, sich mit anderen Mechanismen, seien sie genial oder sperrig, auseinander zu setzen, aber auch als Spieler juckt es mich einfach, Neues in praxi kennenzulernen.

Leider gibt es auch noch mein Herz #2, das mit Herz #1 nicht im Gleichklang schlagen mag. Geprägt durch jahrelanges DSA in der Prä-Borbarad-Phase, gelüstet es mich nach einer Fantasy-Runde Marke Endlosspiel oder, wie wir es neulich nannten: ein „Heimkehrer-Setting„, das man wirklich gut kennen lernt, mit dem man sich nach vielen vielen Abenteuern identifiziert, wo man auch mal eine Örtlichkeit oder Persönlichkeit ein zweites oder drittes Mal trifft und Querverbindungen zu früheren Abenteuern ziehen kann. Etwas, wo man das eigene Rollenspiel mit Traditionen und liebevollen Details bereichern kann und vor allem: eine Campaign, in der ich einen Character endlich einmal über die 7. Stufe hinaus spielen kann und eine echte Entwicklung spüre, ehe die Runde versumpft und man wieder zu etwas anderem wechselt. Das von unserer Runde ausgiebig gespielte Araclia (Release vermutlich Ende dieses Jahres) wäre ein solches Heimkehrer-Setting gewesen, allerdings möchte ich niemandem zumuten, Campaigns in Araclia zu leiten, wenn ich – der Erfinder der Welt – am Tisch sitze. Ergo müssen wir uns nach etwas Anderem umschauen, in dem wir alle den gleichen Wissensstand haben und das uns system-mäßig zusagt (D&D tut das übrigens nicht). Destination daher bis dato ungewiss.

Formell haben wir jedenfalls einen Weg gefunden, beide Herzen zu befriedigen: Unsere zweiwöchentlich am Sonntag stattfindende Runde wird nun abwechselnd das eine und das andere spielen. Quasi zwei Sub-Runden, eine mit frischen Kurzcampaigns á 6-10 Sessions, und eine Heimkehrer-Campaign. Nachteil: Zwischen den Abenteuern vergeht mehr Zeit als bisher, und man spielt halt zwei Campaigns zur selben Zeit. Wir werden natürlich darauf achten, dass sich die Settings stilistisch stark unterscheiden, damit man nicht Gefahr läuft, Plots oder Charaktere durcheinander zu bringen.

So, jetzt kennt ihr meine zwei Spielerherzen, und vielleicht entdeckt ihr ja auch ein zweites oder gar drittes bei euch. Und solltet ihr uns ein Fantasy-Heimkehrer-Setting empfehlen können, nichts wie her damit!

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8 Gedanken zu “Zwei Herzen…

  1. „Erfinder der Welt“ … ein cooler Titel! 8D

    Ich hab da Glück, bei mir Schlägt nur das Herz Nummero Uno! Ich hab viel zu viele Systeme, Welten und Ideen als das ich mich da binden könnte. Ein Rollenspiel 20+ Jahre zu spielen, wie es manche machen, könnte ich nie durchziehen. 😛

    Mal ein ganz anderes Thema: Was ist für euch die optimale Spielefrequenz ?

    Bei mir ist eine Campaign alle zwei Wochen das Maximum, alles darüber bringt mich persönlich ziemlich aus dem Konzept. Optimal für mich ist jedoch einmal die Woche mit relativ kurzen Sessions (~3-4 Stunden), da geht schnell was weiter, behält alles gut im Gedächnis und die Abenteuer sind so kurz das man voller Energie reingeht und es keine langgezogenen Kapitel geben kann.

    • Ich habe erst seit kurzem derart kurze Unter-der-Woche-Runden, finde aber schon, dass es seinen Reiz hat. Vor allem in puncto Familie tut mir ein Abend unter der Woche weniger weh als ein ganzer Sonntagnachmittag.
      Andererseits hat es nur Sinn, wenn man wirklich jede Woche spielt, denn schon alle zwei Wochen ist bei 3-4 Stunden Session-Länge ziemlich gedehnt; da geht eher wenig weiter.

  2. Warum spielt in der regelmäßigen Runde nicht immer „Heimkehrer“ und ab und zu zwischendurch neue Systeme, so wie sich Begeisterte und Leiter finden. Man kann ja den regelmäßigen Rythmus etwas verlängern.

    • Die Sache ist die, dass diese Heimkehrer-Campaign vor allem ich spielen will, es aber einen Spieler gibt, der den Hauptfokus auf „andere Sachen spielen“ legt. Jetzt haben wir halt einen Kompromiss, in dem wir beide kriegen, was wir wollen; den anderen ist mehr oder minder alles recht.
      Dazu kommt, dass „ab und zu“ bei uns einfach nicht funktioniert. Wenn wir die Spielleiter-Funktion nicht bewusst planen, leiten letztendlich wieder immer nur dieselben zwei Leute, und davon wollen wir eigentlich weg.

  3. Versuch es mit dem neuen Warhammer Fantasy Roleplay, das ist vom System her so anders und neuartig, dass es einem durchaus die Augen öffnen kann, was noch alles im Genre möglich ist. Das Setting ist ja ein alter–und vielgeliebter–Bekannter, die „Alte Welt“. Sehr, sehr stimmungsvoll. Ansonsten bietet sich natürlich auch das alte Warhammer Fantasy Roleplay an, das kennst du ja nun vielleicht schon ein wenig 😉

  4. Ich kenne auch beide Herzen. So freue ich mich immer riesig, wenn wir unsere inzwischen 33-ganztägige-Sitzungen-zählende Kampagne (D&D 3.5 ;P ) spielen, aber andererseits freut es mich auch andere Systeme auszuprobieren (im Augenblick richten sich meine Gedanken immer wieder zu Shadowrun hin) oder Systeme zu spielen, die man ab und zu mal spielt (Savage Worlds ist da was feines).
    Wie es bei uns gerade läuft: „Heimkehrer-Kampagne“ (wie du es nennst) wird normalerweise gespielt, es sei denn, jemand kann nicht, dann übernimmt ein Spieler die Rolle als Spielleiter und leitet etwas anderes.

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